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Präzisionsmedizin - Fortschritt, der in der Klinik ankommt

04.12.2025 14:16

Der vierte Jahresanlass von The LOOP Zurich rückte die rasanten Entwicklungen der datengetriebenen Präzisionsmedizin in den Mittelpunkt und zeigte eindrucksvoll, wie eng Forschung und klinische Anwendung in Zürich inzwischen verzahnt sind.

Bereits in der Begrüssung betonten Beatrice Beck Schimmer, Direktorin der Universitären Medizin Zürich, und Annette Oxenius, Vizepräsidentin Forschung der ETH Zürich, wie zentral die enge Zusammenarbeit zwischen den Partnerinstitutionen für den Fortschritt in der Präzisionsmedizin ist. Markus Rudin, Gründungsdirektor von The LOOP Zurich, knüpfte daran an und skizzierte die strategischen Meilensteine des vergangenen Jahres. Besonders hervor hob er den bevorstehenden Abschluss der Aufbauphase der  Biomedizinischen Informatik-Plattform BMIP, die künftig qualitativ hochwertige medizinische Daten bündelt und den Forschenden strukturiert zugänglich macht.

2026 soll die BMIP nach erfolgreicher Testphase schrittweise für die gesamte Forschungscommunity der Gründerinstitutionen von The LOOP Zurich zugänglich gemacht werde.

Gleichzeitig starten neue translationale Projekte, bestehende Inkubatorinitiativen werden durch ein weiteres Projekt ergänzt, die Zusammenarbeit mit allen Institutionen wird vertieft. Auch die Integration der UMZH-Biobanken soll weiter vorangetrieben und der Anschluss an nationale und europäische Netzwerke abgestrebt werden.

Im weiteren Programm standen die Projekte der Präzisionsonkologie im Zentrum. Thorsten Zenz präsentierte die neuesten Erkenntnisse aus INTeRCePT, einem The LOOP Translationalen Projekt der ersten Generation mit dem Ziel, massgeschneiderte Therapien für Patienten, die von Blutkrebserkrankungen, insbesondere Lymphomen, betroffen sind, zu entwickeln. Das multidisziplinäre Team, das mittlerweile schon mehrere Jahre sehr gut zusammenarbeitet, konnte in der Zwischenzeit beachtliche Fortschritte erzielen. Dazu gehören der Aufbau grosser klinischer Kohorten, neue Single-Cell-Workflows, umfassende immunologische Charakterisierungen und erste Resultate der Feasibility-Studie im CAR-T-Kontext. Die Arbeit macht deutlich, wie eng klinische Beobachtungen und modernste molekulare Profilierung miteinander verzahnt sind, um Therapieversagen früher zu erkennen und Behandlungen gezielter anzupassen.

Einen ergänzenden Blick auf die onkologische Datenlandschaft bot das Projekt POLAR, das von Lopamudra Chatterjee und Christoph Messner vorgestellt wurde. Ziel ist es, die umfassendste Proteom-Referenz für Lymphome zu schaffen, um Diagnostik und Therapieentscheidungen zu präzisieren. Das Team arbeitet dafür mit über 2’500 Proben und hat eine semi-automatisierte High-Throughput-Proteomics-Plattform aufgebaut, die eine konsistente Analyse verschiedenster Gewebearten ermöglicht. Die Integration dieser Datensätze in die wachsende BMIP zeigt, wie Grundlagenforschung und klinische Anwendung zusammenspielen können, wenn es darum geht, molekulare Muster besser zu verstehen und diagnostisch nutzbar zu machen.

Mit dem AI Tumor Board präsentierte Andreas Wicki einen Ausblick darauf, wie künstliche Intelligenz künftig Therapieentscheidungen unterstützen kann – nicht als Ersatz ärztlicher Expertise, sondern als präzise Ergänzung. Die Herausforderung liegt dabei vor allem in der schieren Menge an Daten, die heute in der Onkologie entstehen. Das Tumorboard entwickelt Modelle, die klinische, genetische und molekulare Informationen zusammenführen und in Relation zu internationalen Guidelines setzen. Mit eigenen mehrsprachigen Sprachmodellen, grossen klinischen Datensätzen und neuen Methoden der Prognosemodellierung entsteht ein System, das in Zukunft evidenzbasierte Entscheidungen mit datengetriebenen Vorschlägen kombinieren und so die onkologische Versorgung weiter präzisieren soll.

In der Keynote mit dem Titel «From Code to Clinic» zeigte Jens Kleesiek, Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin am Universitätsklinikum Essen,wie weit die Integration künstlicher Intelligenz im Ruhrgebiet bereits fortgeschritten ist. Kleesiek berichtete von einer Umgebung, in der KI nicht primär Forschungsinstrument ist, sondern unmittelbar im klinischen Alltag eingesetzt wird – integriert ins Klinik-Informationssystem, in diagnostische Workflows und in Entscheidungsprozesse. Forschung erfolgt in einem zweiten Schritt und stets vor dem Hintergrund einer klar definierten klinischen Fragestellung. Sein Vortrag war zugleich unterhaltsam und tiefgründig, voller anschaulicher Beispiele und mit einem präzisen Blick auf die Frage, wie KI tatsächlich Nutzen für Patientinnen und Patienten bringen kann. Viele der von ihm geschilderten Entwicklungen machten deutlich, dass auch in Zürich ähnliche Schritte möglich sind – und dass der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Der Abend endete beim Apéro riche, der seinem Prädikat gerecht wurde und bei dem sich zeigte, wie sehr The LOOP Zurich inzwischen als Plattform für Austausch und gemeinsame Vision wahrgenommen wird. Die zahlreichen Gespräche liessen erkennen, dass Präzisionsmedizin in Zürich längst nicht mehr ein Zukunftsversprechen ist, sondern Schritt für Schritt in der Klinik ankommt.

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