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SCOPE

Die Gene entschlüsseln, die über den Erfolg einer Krebstherapie entscheiden

Ziel: Die genetischen Ursachen von Therapieresistenz bei Darmkrebs entschlüsseln

Fortschritte in der modernen Gentechnik haben in den letzten Jahren neue Möglichkeiten eröffnet, die biologischen Ursachen von Krebs besser zu verstehen. Ein besonders vielversprechendes Projekt in diesem Bereich ist «SCOPE». Es wird von Prof. Nicola Aceto (ETH Zürich) geleitet, gemeinsam mit Fachleuten der Universität Zürich (UZH) und des Universitätsspitals Zürich (USZ).

Das Projekt will herausfinden, warum viele Darmtumoren nur teilweise oder gar nicht auf eine Chemo- oder Immuntherapie ansprechen. Zudem sucht es nach Wegen, für jede Patientin und jeden Patienten besser vorherzusagen, welche Behandlung am wirksamsten ist. Grundlage ist StealTHY, eine gentechnische Methode, die die Forschungsgruppe von Nicola Aceto an der ETH Zürich entwickelt und 2025 in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht hat. In SCOPE setzt das Team diese Methode nun erstmals gezielt bei Darmkrebs ein: Es schaltet in Darmkrebszellen einzelne Gene aus, und zwar in lebenden Modellen mit vollständig intaktem Immunsystem. So will es herausfinden, welche Gene darüber entscheiden, ob eine Chemo- oder Immuntherapie wirkt.

Was ist StealTHY?

CRISPR ist eine weit verbreitete gentechnische Methode, mit der Forschende das Erbgut von Zellen gezielt verändern können. Bisher war es aber schwierig, damit zu untersuchen, wie einzelne Gene das Verhalten eines Tumors im Zusammenspiel mit dem körpereigenen Immunsystem beeinflussen. Das Immunsystem erkennt die dafür nötigen Werkzeuge nämlich als fremd und greift sie an, bevor die eigentliche Untersuchung überhaupt beginnen kann. Das hat frühere Versuchsergebnisse verfälscht.

StealTHY ist eine Weiterentwicklung dieser Technik, die für das Immunsystem praktisch unsichtbar bleibt. Entwickelt haben sie Massimo Saini und Kolleg:innen in der Gruppe von Nicola Aceto an der ETH Zürich. Die Methode wurde 2025 in Cell veröffentlicht. Damit können Forschende erstmals einzelne Gene in Tumorzellen ausschalten und gleichzeitig beobachten, wie sich der Tumor unter einer echten Chemo- oder Immuntherapie verhält. Das funktioniert in Tiermodellen mit voll funktionsfähigem Immunsystem und ohne eine Abwehrreaktion gegen das Werkzeug selbst, die die Ergebnisse verfälschen würde.

Die Plattform lässt sich breit auf verschiedene Krebsarten und Forschungsfragen anwenden. Sie wird in mehrere Richtungen weiterentwickelt, zum Beispiel für Tumorimpfstoffe oder für die Erforschung der Immunbiologie von Metastasen. In SCOPE wird die Methode eingesetzt, um systematisch zu ermitteln, welche Gene Darmkrebszellen gegen Chemo- oder Immuntherapie resistent machen. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu gezielteren Behandlungsentscheiden.

Bedeutung für die medizinische Forschung

SCOPE verbindet moderne Gentechnik mit klinischer Krebsforschung und hat am Universitätsspital Zürich direkten Zugang zu Proben und Daten von Patientinnen und Patienten. Das Projekt kombiniert StealTHY mit Tumormodellen aus Patientenmaterial und mit Vorhersagemodellen, die auf maschinellem Lernen beruhen. So entsteht ein neues Werkzeug, um Therapieresistenz bei Darmkrebs besser zu verstehen und gezielter zu behandeln.

Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur personalisierten Krebsmedizin und stärkt Zürich als Forschungsstandort für translationale Onkologie.

Onkologie

Das Konsortium

Aceto

Nicola Aceto, ETH Zürich, Departement Biologie.

Sobottkajpg

Bettina Sobottka, Universitätsspital Zürich, Institut für Pathologie und Molekularpathologie.

Tugues

Sonia Tugues, Universität Zürich, Institut für Experimentelle Immunologie.

Wicki B

Andreas Wicki, Universitätsspital Zürich, Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie .