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Prevent-SSc

Früherkennung und Prävention: Ein neuer Ansatz bei Systemischer Sklerose (SSc)

Die Systemische Sklerose (SSc) ist eine schwere Autoimmunerkrankung, die zur Verhärtung und Vernarbung der Haut und innerer Organe führt und die höchste Sterblichkeitsrate unter den rheumatischen Erkrankungen aufweist. Bislang konzentrierte sich die Behandlung auf bereits fortgeschrittene Krankheitsfälle. Das „PREVENT-SSc“-Projekt, geleitet von einem Team an der Universität Zürich, will diese Herangehensweise ändern. Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und Schäden zu verhindern, bevor sie entstehen. Dafür sollen Risikofaktoren identifiziert und neue Therapieziele für die Frühbehandlung gefunden werden.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Ermittlung von Menschen, die sich in den frühen Stadien von SSc befinden, aber ein hohes Risiko für eine rasche Krankheitsverschlimmerung haben. Das Team plant, verschiedene Faktoren wie klinische Marker, Bluttests und mechanische Hautuntersuchungen zu kombinieren, um ein individuelles Risikosystem zu entwickeln, das die Wahrscheinlichkeit einer Krankheitsprogression vorhersagen kann. Diese Methode ermöglicht eine gezieltere Behandlung, die noch vor dem Auftreten schwerer Symptome ansetzen kann.

Um langfristige Fortschritte zu erzielen, erforscht das Team zusätzlich molekulare Veränderungen im frühen Stadium der SSc. Mithilfe modernster Technologien wie Einzelzell-RNA-Sequenzierung und Proteomiks soll eine „molekulare Landkarte“ der frühen Krankheitsstadien erstellt werden. Durch die Untersuchung dieser molekularen Veränderungen hoffen die Forscherinnen und Forscher, spezifische Angriffspunkte für Therapien zu identifizieren, die das Fortschreiten der Krankheit verhindern könnten. Die Idee ist, neue Behandlungsziele zu finden, die den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen können.

Ausgewählte Forschungsergebnisse

Kick-off für das Projekt war im Dezember 2024. Im Rahmen dieses ersten Treffens legte das interdisziplinäre Konsortium die zentralen Grundlagen der Zusammenarbeit fest. Im Oktober 2025 wurde ein weiterer Meilenstein erreicht: Ein Konsortialtreffen diente der Präsentation von Fortschritten sowie der gezielten methodischen Weiterentwicklung. Die regelmässigen Treffen sichern die Koordination aller Partner. Dabei werden auch Patientinnen und Patienten aktiv als Forschungspartner eingebunden.

Derzeit befinden sich zwei Studienprotokolle – zur Nutzung von Biosamples sowie zur klinischen Studie NIMBLE –in der ethischen Prüfung. Die NIMBLE-Studie umfasst unter anderem einen neu entwickelten Test zur standardisierten Messung von Hauteigenschaften. Zudem wurden Vereinbarungen zum Austausch von Proben zwischen USZ,UZH, ETH Zürich und der Universität Freiburg im Breisgau abgeschlossen.

Auf Basis von Langzeitdaten aus dem internationalen EUSTAR-Register, einer umfassenden Datenbank mit klinischen Verlaufsdaten von Patientinnen und Patienten mit Systemischer Sklerose, wurde mithilfe von Machine Learning ein klinisches Risikomodell entwickelt. Dieses hilft, frühzeitig abzuschätzen, welche Patientinnen und Patienten ein erhöhtes Risiko für Organbeteiligungen haben.

Für die klinische Anwendung wurde ein standardisiertes NIMBLE-Testprotokoll erarbeitet, das innerhalb von rund 40 Minuten wichtige mechanische Eigenschaften der Haut – wie Steifigkeit und Verformbarkeit – erfasst. Mit einem dedizierten Computermodell, das den Einfluss von Materialparametern auf die Messresultate in silico erfasst, konnte die Sensitivität des klinischen Verfahrens bewertet werden.

Auf molekularer Ebene wurden neue fluoreszierende Sonden entwickelt, mit denen sich die Aktivität zentraler Enzyme in komplexer biologischer Umgebung präzise messen lassen. Dazu gehören unter anderem LOXL2 (lysyloxidase-like 2), eine Aminoxidase, die eine wesentliche Rolle bei der Bindegewebssynthese spielt, und das vaskuläreAdhäsionsprotein-1 (VAP-1), das unter anderem mit entzündlichen Prozessen assoziiert wird. Diese Methode eröffnet neue Möglichkeiten für Diagnostik und Forschung.

Ein zentraler Fortschritt gelang durch Einzelzellanalysen von klinisch unauffälliger Haut von Personen mit prä-SSc. Bereits in sehr frühen Stadien zeigen sich deutliche Veränderungen in Bindegewebszellen (Aktivierung von Fibroblasten).Parallel dazu treten Veränderungen im Immunstatus auf, die auf eine aktive Rekrutierung von Immunzellenhinweisen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wechselwirkung zwischen Stroma und Immunsystem ein wesentlicher Treiber im Krankheitsprozess ist und der eigentlichen Gewebeverhärtung vorausgeht. Dies öffnet ein frühes Zeitfenster für potenziell präventive Therapien. Ergänzend wurde ein ex vivo-Modell mit präzisionsgeschnittenen Hautproben entwickelt. Dieses Modell bildet die komplexe Gewebestruktur realitätsnah ab und ermöglichtes, neue therapeutische Ansätze unter kontrollierten Bedingungen zu testen.

Bedeutung für den Forschungsplatz

Das Projekt vereint Expertinnen und Experten aus Rheumatologie, Chemie, Biologie, Bioinformatik und Proteomik in einem interdisziplinären Konsortium. PREVENT-SSc stärkt nicht nur die Präzisionsmedizin im Bereich Autoimmunerkrankungen, sondern positioniert Zürich als Standort für die Erforschung und Prävention chronischer Krankheiten. Der präventive Ansatz dient dabei auch als Modell für die Behandlung von weiteren komplexen Erkrankungen.

Infektion / Immunologie

Das Konsortium

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Oliver Distler, Universitätsspital Zürich, Klinik für Rheumatologie.

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Jörn Dengjel, Departement Biologie, Universität Fribourg.

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Rucsandra Dobrota, Universitätsspital Zürich, Klinik für Rheumatologie.

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Edoardo Mazza, ETH Zürich, Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

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Christian Stockmann, Universität Zürich, Anatomisches Institut.

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Helma Wennemers, ETH Zürich, Departement Chemie & Angewandte Biowissenschaften.

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Sabine Werner, ETH Zürich, Institute of Molecular Health Sciences.